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STORIESHome »Audiobook-Review: Tinnitus-Mix Vol. 1 (Tinnitus)
Auf der ersten Veröffentlichung des jungen Labels aus Berlin warten fünf kurze und knackige Mini-Hörspiele auf uns.
Ein ganz übles Reality-Showformat ist anschließend der "Sender 77", bei dem das Live-Publikum Augenzeuge bei der Überwachung des Steuerflüchtlings 17277 wird. Er befindet sich auf einer öffentlichen Toilette und versucht im Augenblick, einen Peilsender in seinem Backenzahn zu entfernen. Mit primitivsten Mitteln ausgestattet, müht er sich seit Stunden ab die Operation abzuschließen – kommentiert von einem geifernden Kommentatorenduo. Als besonders gerissen erwieien sich bei "Identity" Felicitas und Clara. Als Testpersonen mit fiktivem Lebenslauf an ein Marktforschungsinstitut vermittelt, ersinnen die beiden eine Idee, wie sich mit gefälschten Persönlichkeiten bei den verschiedensten Umfragen und Studien Geld verdienen lässt. Zum Abschluss nimmt uns "Munich to go" mit auf eine Stadtführung der besonderen Art, welche die ehemalige Kunststudentin und Bockwurstverkäuferin Else Apol anbietet. Mit ihr kann man drei-, fünf- oder siebenminütige Rundgänge durch die bayrische Landeshauptstadt im Eiltempo unternehmen. So unterschiedlich die fünf auf dem ersten "Tinnitus-Mix" versammelten Mini-Hörspiele auch zu sein scheinen, verbindet sie ausgenommen von "Ein Deal ist ein Deal" doch die Tendenz, sich über verschiedenste Auswüchse unserer ach so modernen Gesellschaft kritisch oder zumindest ironisch auszulassen – sei es der Gummibärchenbauer, der die in der Realität manchmal tatsächlich noch absurderen Förderprogramme der Europäischen Union ins Lächerliche zieht, der pervertierte "Big Brother"-Nachfolger von "Sender 77" oder das Schindluder, das Marktforschungsinstitute treiben, das die beiden "Identity"-Protagostinnen ad absurdum führen und ihren Schwindel mit den verschiedenen Persönlichkeiten zum Teil letztendlich teils verinnerlichen. Alles in allem bekommt der Hörer eine kurzweilige Collage geboten, die mit Ausnahme von ein bis zwei übersteuerten Vocals bei "Identity" auch sauber produziert worden ist. Natalie Gorris, hinsichtlich der beiden Stichworte "Berlin" und "Hörspiel" für Connaisseure keine Unbekannte, hat mit dieser Leistungsschau im CD-Format einen hörenswerten Erstling ihres Label Tinnitus herausgebracht. Gerne mehr davon!
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