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STORIESHome »Book-Review: Bonbon aus Wurst (Kiepenhauer & Witsch)
Autobiographien sind eine tolle Möglichkeit, sich im Nachhinein in besserem Licht darstellen zu können – wohl kaum nötig hat das Helge Schneider, der nun seine Lebenserinnerungen vorlegt. Und das bereits zum zweiten Mal.
Nun also wirklich die ungeschminkte Lebensbeichte eines der beliebtesten Komiker Deutschlands, unter dem blumigen (einstigen Single-) Titel "Bonbon aus Wurst" serviert? Wohl eher nicht, sondern wie immer jede Menge Irrsinn und Abgefahrenes aus Helges Feder. Während man im Buch von 1992 aber immerhin ansatzweise eine biographische Skizze aus der mit grandios witzigen Einfällen gespickten Erzählung schälen konnte, lautet das Urteil in diesem Fall: Fehlanzeige. Vielmehr haben wir es hier mit einem bunten Sammelsurium von zusammengewürfelten Textfragmenten zu tun, welche die Banalitäten des (Star-) Alltags mit weitestgehend sinnfreien philosophischen Überlegungen erzählerisch verbinden. Unterlegt ist das Ganze mit schrägen Fotos und noch schrägeren Kommentaren dazu. Leider merkt man dem Erzählstil, der wie immer betont locker gehalten ist, auch eine gewisse Fadesse über weite Strecken an. Da musste doch wohl nicht jemand unter Zeitdruck ein neues Buch schreiben? Aufgelockert wird das Ganze glücklicherweise durch einige schräge Einfälle, vor allem die Passagen über die bessere Hälfte sorgen für Schmunzeln: "Es ist eine Muss-Ehe. Sie wusste nicht, wen sie sonst nehmen sollte. Ich kannte sie gerade zwei Tage. Wiederwillig schlug ich ein. Wegen der Mitgift. Ihr Vater ist Graf. Pornograf. Nein, Spaß beiseite, mein Privatleben geht keinen was an." Und das dürfte auch der Grund sein, warum wir in dieser Fassung wenig lebensgeschichtliche Fakten finden. Helge treibt den Spaß sogar so weit, neben Namen seiner Kinder oder Kollegen auch Hunde oder andere Tiere zu anonymisieren. Auch die Spleens und Eigenheiten so mancher Berühmtheit werden gekonnt veralbert. Insgesamt betrachtet hinkt das neue Buch seinen Vorgängern an Originalität und vor allem Abgedrehtheit aber doch etwas hinterher. Fazit: Wer ansatzweise etwas über des Meisters Lebenslauf aus eigener Sicht erfahren will, greife am besten zu "Guten Tach" von 1992 oder führe sich seine bisher letzte Regiearbeit "Jazzclub – Der frühe Vogel fängt den Wurm" (2004) zu Gemüte, der in seiner melancholischen Grundstimmung viele autobiographische Elemente widerspiegelt. Wer aber eine kurzweilige und flüssig zu lesende absurd-fiktive Anekdotensammlung bevorzugt, kann mit "Bonbon aus Wurst" auch nichts falsch machen. # # # Andreas Grabenschweiger # # #
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