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STORIESHome »Book-Review: Bushido (Riva)
Die literarische Apokalypse für sämtliche Feuilletonisten des deutschen Sprachraums aus dem Jahr 2008 ist anlässlich der Kinofassung goldummantelt zurückgekehrt. Ghettorap hin, Ghettorap her: Jeder bekommt bei dieser Autobiographie genau das geliefert, was er sich davon erwartet hat.
Der gut 400 Seiten starke Schmöker lässt uns größtenteils chronologisch am Werdegang Bushidos teilhaben, geprägt durch eine schwierige Kindheit mit einem gewalttätigen Vater. Als Kontrast dazu steht die bedingungslose und aufopfernde Liebe seiner Mutter, die dem Jungen trotz Drogendealer-Karriere, illegalem Sprayen und physischen Auseinandersetzungen mit Altersgenossen die Treue hält. Nachdem er die Schule geschmissen hat, wird er nach einem missglückten letzten krummen Geschäft zu einer Lehre als Maler und Lackierer verdonnert. Parallel dazu macht er seine ersten Schritte in Sachen Musik, die ihn mit anderen lokalen Nachwuchskünstlern der brodelnden Rapszene in der Hauptstadt und schließlich mit dem aufstrebenden Indielabel Aggro Berlin in Kontakt bringt. Die Zusammenarbeit währt nur kurz und endet in Bushidos Weggang zum Major Universal, nachdem er im Herbst 2003 mit "Vom Bordstein bis zur Skyline" einen unbestrittenen Meilenstein und die Blaupause für deutschen Gangsterrap vorgelegt hat. Mit dem Zerwürfnis geht auch die langjährige Freundschaft mit Kumpel Fler in die Brüche, mit dem es aber vergangenes Jahr nach dem Ende des Sägeblattlabels doch noch zur Versöhnung gekommen ist. Den größten Teil der Darstellung nehmen neben diversen Eckpfeilern von Bushidos kometenhaften Aufstieg zum erfolgreichsten deutschen Rapper aller Zeiten – sprich: mehr als 1,5 Millionen verkaufte Schallplatten, diverse nationale und internationale Auszeichnungen – allerdings kurzweilige Anekdoten aus dem Alltags- und Tourleben ein: Schellen für diverse Opfer und Spasten, Beef, reichlich Bettgeschichten, die Linzer Affäre mit Gefängnisaufenthalt und Businessangelegenheiten. Dazwischen gewährt uns Herr Ferchichi Einblick in sein Weltbild und tut seine Meinung zu Politik, Religion, Liebe und seiner Rolle als Popstar kund. Dabei bewegt er sich wohltuend abseits der "political correctness" und scheut sich nicht, zu den Vorwürfen gegen ihn wortreich Stellung zu nehmen. Und beweist etwa bei Themen wie der Rolle von Frauen in seinem Leben oder Homosexualität zwar keine mehrheitsfähigen Positionen, aber doch mehr Toleranz als so mancher Politiker oder Schreiberling. So muss es sein: Seine eigene Meinung gegen jeglichen Widerstand vertreten, die anderer Menschen respektieren, sich gegebenenfalls überzeugen lassen und lernen. Unterm Strich bleibt eine kurzweilige Lektüre, die jedem das liefert was er sich erwartet hat: Fans bekommen Einsichten in das Leben und den Alltag ihres Stars, Gutbürger, Feministinnen und Hater genug Angriffspunkte für ihre Argumentation. Im Endeffekt liefert Bushido auf den Seiten seiner Autobiographie genau das, was er mit seinen Songs auch tut: Entertainment – nicht mehr und nicht weniger. Und wer sich vorurteilsfrei darauf einlässt, wird extrem gut unterhalten werden. # # # Andreas Grabenschweiger # # #
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