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STORIESHome »Book-Review: Das Science Fiction Jahr 2009 (Heyne)
Auf weit mehr als 1500 imposanten Seiten wird auch heuer wieder ein toller Überblick zu den wichtigsten Veröffentlichungen des Genres in Literatur, Hörbuch und Film geliefert. Den Schwerpunkt bilden diesmal die Blockbuster-bedingt omnipräsenten Superhelden.
2009 bilden unterschiedliche Herangehensweisen an das Phänomen der Superhelden den Schwerpunkt, der mit knapp über 400 Seiten fast ein Drittel des Bandes einnimmt. Unter dem Aufhänger "Quo vadis, Superhelden?" beschäftigen sich die verschiedenen Beiträge nicht nur mit den Aussichten eines Genres, das mit "Watchmen" in diesem Jahr nach langem Hin und Her zwischen den verschiedensten Hollywood-Studios letztendlich doch noch seinen eigentlichen Abgesang in filmischer Form vorgesetzt bekommen hat. Was gibt es also noch zu erzählen? Doch so einiges, wie sich vor allem an den Aufsätzen zeigt, die sich mit den alltäglichen realen Problemen und Prämissen fiktiver Figuren beschäftigen. Auch ein Blick in die Vergangenheit dieser dominierenden Sparte innerhalb der US-amerikanischen Comic-Industrie fördert interessante Einsichten zutage: Wie John Clute nahelegt, lässt sich das Motiv des übermenschlichen Helden bis Dumas‘ "Graf von Monte Christo" zurückverfolgen – um sich in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts mit dem boomenden Science Fiction- und Pulp-Stories zu einem neuen Genre zu vermengen, wie Lutz Göllner in seinem Beitrag ausführt. Das auch hinsichtlich der Seitenanzahl eigentliche Herzstück des Abschnitts bildet Uwe Neuholds Aufsatz zu den wissenschaftlichen (Un-) Möglichkeiten superheldischer Kräfte und Fähigkeiten, die angelehnt an James Kakalios’ "Die Physik der Superhelden" entsprechend humorige Einsichten liefert. Aus dem nicht weniger umfangreichen "Rest" des Buchs verdient vor allem der berührende Nachruf von Christoph Ecker über den im Vorjahr verstorbenen US-Autor Thomas M. Disch hervorgehoben zu werden – ein Beitrag, der durch die umsichtige Rezeption der zentralen Arbeiten Neugier und Lust weckt, einen unterschätzten Schriftsteller und Lyriker kennen zu lernen. Der an einer Kombination mehrerer Schicksalsschläge letztendlich verzweifelte, die in ihrer Unfassbarkeit fast nur der Feder eines sehr zynischen Autors entspringen hätten können. Herausgeber Sascha Mamczak und Wolfgang Jeschke haben tolle Arbeit geleistet und mit den vertretenen Autoren einen vergnüglichen und anregenden Querschnitt über die Facetten des Science Fiction-Genres geliefert. Es bleibt abzuwarten, ob der Folgeband ebenfalls wieder dicker ausfällt und sich das auf die Handlichkeit des Ganzen auswirkt. Der Lesegenuss selbst wird allenfalls durch kleinere Schnitzer getrübt, die bei einem derart komplexen Umfangen nicht weiter tragisch sind – einzig die andauernde, fälschliche Verwendung des Begriffs "Spiderman" (statt dem korrekten "Spider-Man") treibt Puristen sicherlich Tränen in die Augen. Ansonsten: Bitte weiter so! # # # Andreas Grabenschweiger # # #
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