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STORIESHome »Book-Review: Erotische Comics (Knesebeck)
Wie der Titel schon sagt, kommen hier sowohl die Augen als auch das Hirn in den Genuss eines spannenden historischen Aufrisses einer vielfach unterschätzten Spielart der Neunten Kunst.
Die Darstellung von Sexualität und Sinnlichkeit ist so alt wie die Menschheit selbst. Im vergangenen Jahrhundert reihte sich das an diesen Maßstäben gemessen blutjunge Medium Comic in diese Tradition ein und sorgte sowohl für kurzweilige Zerstreuung als auch für „history in the making“. Und genau der hat sich Tim Pilcher in "Erotische Comics: Das Beste aus zwei Jahrhunderten" gewidmet, das beim Knesebeck Verlag erschienen ist. Zur Einstimmung gibt’s einen kurzen Abriss zur Entwicklung der erotisch angehauchten Zeichenkunst: Angefangen von expliziten Höhlenmalereien aus der Frühzeit des Menschen über Werke der großen Hochkulturen, dem indischen Kamasutra und japanischen Holzschnitt bis hin zum beginnenden 20. Jahrhundert führt uns der Überblick. Nach diesen "Vorspielen" zeigt sich dann erneut, dass der Krieg nicht nur jede Menge technische Innovationen, sondern auch große Umwälzungen in Gesellschaft und Kultur hervorbringen kann. So hat die "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts", der Erste Weltkrieg, mit seinen "Kirchner-Girls" bei den Mittelmächten und "Gibson-Girls" bei den Alliierten den Weg für das geebnet, was uns dann vor allem seit des Zweiten Weltkriegs als Pin-up bekannt ist. Zwischendurch lieferten die Tijuana Bibles neues Material für die aus dem freizügigen Frankreich zurückgekehrten Soldaten: Kleine, billig in den USA hergestellte Heftchen mit schlüpfrigen Sex-Geschichten, die mitunter diverse berühmte Comic-Figuren wie Micky Maus oder Hollywoodstars wie Greta Garbo bei der schönsten Sache der Welt zeigen. Parallel dazu starteten die Männermagazine mit ihrem simplen Konzept von "gags and girls", wenn auch dem allgemeinen Klima in den damaligen Vereinigten Staaten mit sexistischen und rassistischen Untertönen untersetzt. Hübsche freizügige Mädels spielten jedenfalls eine wesentliche Rolle bei der Motivation der Truppen fernab der Heimat und konnten die Verleger auch in die 1950er Jahre retten. Hugh Hefner begann mit seiner ersten "Playboy"-Ausgabe 1953 seinen Erfolgslauf, der schnell Zeichenkünstler wie Harvey Kurtzman oder Will Elder anlockte. Seine späteren Konkurrenten von "Hustler" und "Penthouse" ließen sich in dieser Hinsicht ebenso nicht lumpen und etablierten erotische Cartoons als festen Bestandteil ihrer Herrenmagazine. Im Untergrund brodelte es zu dieser Zeit aber bereits und noch gewagtere Darstellungen drängten an die Oberfläche: Robert Crumb, vor allem für seine kultige Schöpfung "Fritz the Cat" bekannt, war da erst die Spitze des Eisbergs… Es würde noch unzähliger weiterer Zeilen bedürfen, um auch nur einen Bruchteil der in diesem spannenden Band versammelten Künstler und Quellen erotischer Kunst zusammenzufassen – zu umfangreich ist Tim Pilcher hier zu Werke gegangen. Bis hinauf in unsere Tage liefert er einen amüsanten Überblick zur Verquickung von Erotik und Neunter Kunst, mit vielen bildlichen Beispielen, die des Lesers (und der Leserin) Augen erfreuen. Der Knesebeck Verlag hat die deutsche Fassung makellos besorgt, es ist zu hoffen dass dieser popkulturell unbedingt interessante Band eine hohe Verbreitung findet. Ein wahrer Hingucker für das heimische Buchregal! # # # Andreas Grabenschweiger # # #
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