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Comic-Review: Jonah Hex 1 (Panini)

Lucky Luke kann schon mal einpacken, denn es gibt jemanden im Wilden Westen, der an Schnelligkeit nicht zu überbieten ist! Jonah Hex ist zurück und heftet sich wieder an die übel riechenden Fersen der Ganoven.

Cover Jonah Hex 1 (C) Panini / Zum Vergrößern auf das Bild klickenWenn man als begeisterter Comic-Leser einen guten alten Cowboyhelden serviert bekommt, ist eine gewisse Vorsicht sicher nicht unangebracht. Leider ist das Western-Genre in unseren Breitengraden nicht sonderlich gut vertreten. Nur wenige Perlen wie der "Lone Ranger" mischen sich unter unzählige Superhelden. Ist die Zeit für grobschlächtige und rauhe Cowboys, schweigsame Indianer und gute alte Revolverduelle zur Mittagszeit etwa vorüber?


Nach kurzem Überfliegen des vorliegenden Bands kann schon mal bestätigt werden: Alle Zutaten für unterhaltsame Westernkost sind vorhanden. Rauchende Colts, skalpierende Indianer, Schießereien, Galgen, Pferde und singende Mexikaner. Der titeltragende Held der Abenteuer ist ein Kopfgeldjäger namens Jonah Hex, der schon seit den 1970er Jahren durch die wilde Prärie des nordamerikanischen Westens reitet.


Im Jahr 1972 hat der missmutige, äußerlich entstellte Revolverheld sein Debüt in "All-Star Western" Nr. 10 gefeiert. Als Autor und geistiger Vater der Geschichten rund um Jonah Hex gilt der US-Amerikaner John Albano. Die Figur erfreute sich schon bald großer Beliebtheit, sodass sie ihre eigene Comic-Serie erhielt.


92 Ausgaben später, im Jahr 1985, fand Hex, dank seiner Berufung, sein unumgängliches Ende, wurde aber im selben Jahr wieder belebt. Passend zum generellen Aufbruchgedanken der 1980iger Jahre in die unendlichen Weiten des Alls, schickte man den schnellen Revolverhelden in die Zukunft, um gegen Roboter, Mutanten und sonstige High-Tech-Monster anzutreten. Dem Neustart war jedoch kein großer Erfolg beschert und bald wurde es wieder still um Jonah Hex.


Seit den frühen 1990ern wurden unter der Flagge des DC-Sublabels Vertigo einige Miniserien veröffentlicht, rechtzeitig vor dem Kinostart im Sommer 2010 erscheint der Sammelband "Zeit zu sterben". Als klein bis mittelmäßiger Ganove hat man es im Wilden Westen nicht leicht. Neben dem ohnehin schon hartnäckigen Arm des Gesetzes gibt es aber vor allem einen Kopfgeldjäger, der es sich auf die Visitenkarte geschrieben hat mit Ungerechtigkeiten aller Art aufzuräumen.


Hex ist der festen Überzeugung, dass Gott eine persönliche Abneigung gegen ihn hat. Was macht man in so einem Fall? Man stellt es sich mit dem Teufel gut und befördert so viele potentielle Höllengenossen ins Jenseits, um am Ende vielleicht einen gemütlichen Platz am Lagerfeuer zu ergattern. Hex ist ein unverkennbarer und gefürchteter Kopfgeldjäger, der jedem Kriminellen den Angstschweiß auf die Stirn treten lässt. Er verfolgt seinen eigenen, strengen Ehrenkodex, ändert gern mal zwischendurch die Regeln und hat keinerlei Freunde. Doch man kann sich immer sicher sein, dass Hex die Gerechtigkeit siegen lässt.


Die zwei Autoren Justin Gray und Jimmy Palmiotti erfinden das (Planwagen-)Rad zwar nicht neu, bedienen den ausgehungerten Westernfan mit teilweise klischeehaften aber insgesamt soliden Geschichten.  So hat es Jonah Hex mit einer fiesen Bande von Kinderfängern zu tun, die ihre Beute gegen blutrünstige Hunde antreten lassen, Verbrechern, die Indianer malträtieren und vom örtlichen Sheriff gedeckt werden oder einem angeblichen Vergewaltiger, hinter dem aber eine noch schlimmere Wahrheit steckt.


Hex ist ein umbarmherziger Scharfrichter, doch die Welt in der er lebt, ist noch viel grausamer. In jeder Szene ist sein Leid zu spüren. Seine schlimme Gesichtsverletzung macht ihn zum unverkennbaren Racheengel der Unterdrückten und Ausgebeuteten. Die zwei Zeichner Luke Ross und Tony Dezuniga, zeigen die actiongeladenen Geschichten aus tollen Perspektiven, wobei letzterer die Atmosphäre am besten mit dem Zeichenstift einfängt. Im Gegensatz zu Ross, der eher im Superhelden-Genre verortet ist, unterstreicht sein dreckiger Stil die Stimmung noch zusätzlich.


Wäre mir Jonah Hex schon in meiner Kindheit begegnet, hätten viele Cowboy-Indianer-Spiele nicht mit der obligatorischen Friedenspfeife geendet. Als Leser aller Karl May-Bücher mit einem Hang für das unterrepräsentierte Western-Genre gefällt die Figur des Jonah Hex überraschend gut. Allen Western-Fans sei "Zeit zu sterben" als Einstimmung zum kommenden Film empfohlen, alle anderen können durchaus einen Blick riskieren. Aber Vorsicht: Die Luft ist sehr bleihaltig!



# # # Andreas Himmetzberger # # #






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