
Das vor knapp 10 Jahren entworfene Franchise "Super Monkey Ball" erhält nach "Banana Blitz" auf der Wii einen neuen Ableger. In "Step & Roll" geht es erneut darum einen von vier Affen in eine durchsichtige Kugel zu stecken und in manchmal wahnwitzigem Tempo gefährliche Labyrinthe hinunter zu jagen. Der Singleplayer Modus ist wieder eine reine Arcade Erfahrung, bestehend aus einer Aneinanderreihung von unterschiedlichen Levels. Auf Zwischengegner oder gar eine motivierende Geschichte wurde vollständig verzichtet, was aber auch nicht unbedingt notwendig ist. Insgesamt wollen 70 Levels gemeistert werden, die sich auf sieben unterschiedliche Welten zu je zehn Ebenen aufteilen.

Sind die beiden ersten Welten noch gut geeignet, um sich mit dem Steuerungsprinzip vertraut zu machen, zieht der Schwierigkeitsgrad in späteren Spielverlauf gehörig an. Somit gilt es vor allem am Anfang fleißig Bananen zu sammeln, denn diese erhöhen den eigenen Lebensvorrat, der ziemlich schnell auf Null schrumpfen kann. Vor allem, wenn es darum geht extrem schmale Grate oder Steilkurven innerhalb des vorgegebenen Zeitfensters zu meistern, läßt der Abgrund nicht lange auf sich warten. Das Leveldesign mag zwar etwas knifflig sein, ist jedoch selten unfair und mit Übung sind alle Welten zu schaffen. Als kleine Draufgabe können Levels auch in einer Quasi-Koop-Version gespielt werden, die Entwickler von Sega haben sich da wohl "Super Mario Galaxy" etwas genauer angesehen. Der Mitspieler hilft dabei, diverse Hindernisse aus dem Weg zu räumen und so das Weiterkommen zu erleichtern.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Steuerung mit der Wii Remote. Lenkt man damit den Monkey Ball, funktioniert das ziemlich tadellos. Dabei ist das Labyrinth des Levels mit der Nintendo Steuereinheit gekoppelt und überträgt jede Bewegung nahezu 1:1 auf das Spiel. Somit lenkt der Spieler den Monkey Ball auf indirekte Weise zum Levelausgang. Als neues Feature haben die Entwickler eine alternative Steuerungsmethode mit dem Wii Balance Board eingebaut. Mittels Verlagerung des eigenen Körpergewichts am Balance Board wird die Neigung des Levels geändert. Was sich zu Beginn als ein nettes Zusatzfeature anhört, stellt sich jedoch als völlig unspielbar heraus. Zu ungenau wird die Kontrolle, jeder gerade Streckenverlauf ist eine unüberwindbare Hürde – von Kurven oder Bananensammeln will ich erst gar nicht anfangen zu reden.

In grafischer Hinsicht ist das Spiel ein durchschnittlicher Wii-Titel. Die Level sind im späteren Spielverlauf etwas aufwändiger, aber die Anzahl der berechneten Polygone hält sich in Grenzen; weiters gibt es keine aufwändigen physikalischen Berechnungen oder Effekte. Hat man bereits den Vorgänger gespielt, erlebt man in der Präsentation keine großartigen Überraschungen. Positiv zu erwähnen ist, dass das Spiel konstant mit 60 fps im Widescreen-Format läuft.

Musste man in den klassischen "Super Monkey Ball"-Spielen diverse Mini-Spiele erst freispielen, so stehen in "Step & Roll" alle 21 Multiplayer Party Games von Anfang an zur Verfügung. Auch wenn das Konzept des "Freispielens" von zusätzlichen Inhalten schon etwas angegraut sein mag, so war es doch eine willkommene Abwechslung und Belohnung für besonders herausfordernde Level. Die einzelnen Party Games sind großteils unspielbare, langweilige Konzepte von möglichen Bedienschemata der Wii Remote, die unter Umständen in der Gruppe mit viel Alkohol Spaß machen könnten. So tummeln sich unter einigen alten Bekannten auch ein Mario Kart Klon oder ein an WipEout angelehntes Spiel namens Monkey Luge, wobei man einen der Affen auf einem Schlitten eine Strecke hinuntersteuert.

Fazit: "Super Monkey Ball: Step & Roll" ist ein bestenfalls mittelmäßiges Arcade-Geschicklichkeitsspiel für zwischendurch. Versteht mich nicht falsch, ich bin ein großer Fan von Geschicklichkeitsspielen. Vielleicht liegt es einfach am Setting – der Funke von in Kugeln rollenden Affen wollte einfach nicht überspringen. Leider legen die Entwickler mit "Super Monkey Ball: Step & Roll" eine eher lieblos wirkende Fortsetzung des klassischen "Kugel-durch-Labyrinth-steuern"-Prinzips ab. Es gibt keine Geschichte, die meine Neugierde antreibt, keine interessanten Charaktere zu treffen oder Gegenstände, die meine Sammelleidenschaft ansprechen. Der Titel scheint irgendwie mehr sein zu wollen, den notwendigen Inhalt aber nicht mitzuliefern.

Trotzdem hat mir das Spiel im Singleplayer Modus für kurze Zeit Spaß gemacht. Die Steuerung ist recht passabel und sinnvoll implementiert, abgesehen von den teilweise furchtbaren Party Games. In schwierigen Levels ist das ganze aber zu ungenau. Mit der direkten Eingabe eines Controllers wären Frustmomente seltener. Wer dennoch einen Blick riskieren möchte, sollte sich die Affenbande am besten ausborgen, oder auf den Abverkauf warten.
Grafik: 5/10
Sound: 4/10
Steuerung: 7/10
Spielspaß: 5/10
Gesamt: 5,25
Entwickler: Sega
Publisher: Sega