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Movie-Review: Jesus Christus Erlöser (Kinski Productions Peter Geyer)

Am 20. November 1971 lädt Kinski zu einem Abend mit sich selbst und seiner Interpretation von Jesus in die Berliner Deutschlandhalle. Ungefähr 5000 Menschen folgen seinem Ruf.

Cover Jesus Christus Erlöser (C) Kinski Productions Peter Geyert / Zum Vergrößern auf das Bild klickenEr beginnt zu rezitieren, rückt Jesus in das 68er Licht eines Anarchisten, der von Fixern, Zigeunern und Arbeitslosen umgeben und dessen Mutter vielleicht eine Hure war. Aber gerade fünf Minuten nach Beginn unterbrechen ihn die ersten Zwischenrufe aus dem Publikum. "Der onaniert doch ständig in die Luft!", "Der hat ja schon seine Million vom Film!" Kinski ist sichtlich überrascht und verärgert, er fordert den Unterbrecher seines Manifests zu sich auf die Bühne, um ihn zurechtzustutzen: "Nein, er (Jesus) hat nicht gesagt: Halt die Schnauze! Er hat eine Peitsche genommen und ihm in die Fresse gehauen! Das hat er gemacht! Du dumme Sau!"


Kinski stellt ein Ultimatum und verlässt nach heißen neun Minuten die Bühne. Natürlich kommt er wieder, beginnt von vorne, wird wieder unterbrochen, verschwindet wieder, Leute aus dem Publikum ergreifen das Wort und es ertönen Sprechchöre wie "Kinski ist ein Faschist!" Letztendlich muss der Saal bis auf etwa 100 treue Kinski-Anhänger geräumt werden. "Dieses Gesindel ist noch beschissener als die Pharisäer. Die haben Jesus wenigstens ausreden lassen, bevor sie ihn angenagelt haben." Genau wegen dieser herrschenden Aggression, der Ungeduld und Intoleranz des Publikums, ist es dieses Stück Zeitgeschichte wert, gesehen zu werden.


Peter Geyer liefert uns den einzigen filmischen Mitschnitt eines Kinski-Bühnenauftritts und zeigt den Meister gewohnt unheimlich-charismatisch. Wobei es nicht darum geht was er sagt, denn das ist meist lauwarmes Post-68er-Hirnerbrochenes, sondern wie er es sagt, und wie er auf sein Publikum reagiert. Nicht gelassen, sondern verwirrt, in die enge Getrieben wie ein wildes Tier, instinktiv und brutal erwidert er die Zwischenrufe und versucht sie zu unterdrücken. Kinski als impulsiver Mensch, der seine Botschaft verbreiten möchte, wenn es sein muss mit der Peitsche in die Fresse.



# # # Christoph Höhl # # #






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